Bild 1, Rekonstruktion der weiblichen Kopftracht nach den Bildern bei Hoche und Hettema, das Ooriersen nach Bild 2.


Die saterländische Tracht
P. Kramer, 1977.
Probe



Die werktägliche Kopftracht.

Diese weicht von der Sonntäglichen erheblich ab. Bei Minssen heisst es 1846 kurz: “Auf dem Kopf trugen sie ein Ooriersen (Ohreisen); darüber hatten sie ein Mutsken, das bei den Ohren an dem Ohreisen festgesteckt war. Gingen sie nun zum Arbeiten heraus, dann setzten sie den saterländischen Houd (Hut) auf, die von Zweige gemacht wird”. Im Wörterverzeichnis heisst es bei Ooriersen: “Ein silberner Reifen, den die Frauen unter der Mütze tragen, um die Haare zusammenzuhalten” (S. 141).
Obwohl es Hoche (1800) in Scharrel offenbar nicht aufgefallen war, sah er es später bei einigen jungen Mädchen in Hollen: “An ihnen bemerkte ich einen Theil des Kopfschmuckes, den ich bisher, ich weiss nicht warum, nicht genau betrachtet hatte. Sie nennen ihn Ohrysen. Dies ist aber selten von Eisen gemacht, sondern von Silber oder ächtem Golde, und hat die Form eines halben Ringes. Dies Ohrysen legen die Mädchen über die Haare auf dem Hinterkopfe so, dass die beiden breiten Enden über den Ohren hervor, bis an die Augenbrauen, treten. Dann setzen sie die Mütze über die fliegenden Haare, die Schultern und Busen bedecken, ziehen die Zipfel über die Ohren herab, und befestigen sie an dem Ohrysen. Zu diesem Zwecken sind in dem Ohrysen, vorn, wo es in der Schläfe liegt, zwei kleine Löcher von oben nach unten; dadurch stecken sie Nadeln, die die Mütze festhalten. Dies ist ein Hauptstück des Putzes junger Mädchen, und ich gestehe, dass der Glanz des Goldes in der Schläfe, welcher durch die feinen weissen Kanten des Logetts dringt, mit den blonden Haaren und blauen Augen, viel Wirkung hat”.
In Bezug auf den späteren Quellen ist aber eher an Messing zu denken; sogar das Inventar aus 1832, das nach Hoches eigenem Zeugnis doch eine der reichsten Familien des Saterlandes anbetrifft, erwähnt nur “ein (silbern) Ohreisen”.
Auch Nieberding beschreibt dieses Stück ziemlich ausführlich: “Eine ( ) Mütze, welche durch ein silbernes Ohrysen (einem Bügel, welcher durch den rand der Mütze hinten um den Kopf liegt, und dessen in Platten auslaufende Enden auf die Backen stark anschliessen) befes-tigt wird”. Bei Hett. lesen wir: “Das friesische Ohreisen, oder besser die silberne Ohrknöpfe, gehen mit einer kupfernen gebogenen und schmalen Stange an den Seiten des Kopfes hoch und am Hinterkopf herum”.
Bei Siebs heisst es: “Das Strikelbeend wurde durch einen metallenen federnden Bügel festgehalten, der sich um den Hinterkopf legte und über den Ohren an den Schläfen anklemmte”und:“Das saterländische Ohreisen ist ein schmaler silberner Bügel ohne Zierde, nur zu praktischem Zwecke bestimmt”. Bröring zuletzt beschreibt es als: “Einem federnden Reifen aus Silber; es schmiegte sich an den Hinterkopf und klemmte sich über den Ohren an den Wangen fest”.
Zur Funktion des Ohreisen sind auch die weitere Trachtstücke einleuchtend. Zuerst das Strikelbeend. Minssen erwähnt es nur im Wörterverzeichnis: “Ein Band, womit früher die Frauen ihre Haare zusammenbanden, um das Mutsken oder das Apstiksel darüber setzen zu können; die Mädchen tragen jetzt die Haare ganz frei herunterhängend” (S. 169). Bei Hettema (S. 250) ist es ein “Band, womit die Frauen die Haare aufbinden”. Siebs schreibt: “Ein Strikelbeend um den Kopf, der war von wollenem Band” und: “Alle Friesinnen, wenigstens die Verheirateten, pflegten das Haar verborgen zu tragen. Die Saterländerinnen banden es zunächst mit einem Strikelbeend zusammen, einem langen wollenen Haarbande, mit dem der Kopf mehrmals umwickelt ward”. Und Bröring: “Das Haar trug man wie auch heute noch über der Stirn mit einem schmalen Scheitel geteilt und fasste es mit dem Strikelbeend, einem wollenen Faden, zusammen, das an das Ohreiden befestigt war”.
Aus diesen Beschreibungen tritt das Ohreisen hervor als eine Haar- klemme, die dazu noch das Strikelbeend fixieren soll. Andererseits sollte offenbar auch noch das Mutsken daran befestigt werden. Weil das Ohreisen gewöhnlich bedeckt war, ist es wohl ein Glücksfall, dass wir es auf Bild 2 unbedeckt sehen. Erhitzt durch die Arbeit hat die ...

[Rest verschollen, wie das ganze Manuskript]
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Erwähnte Literatur
- J. Bröring, Das Saterland, eine Darstellung von Land, Leben, Leuten in Wort und Bild, Oldenburg 1897 un 1901.
- M. Hettema un R.R. Posthumus, Onze reis naar Sagelterland. Frjentsjer/ Franeker 1836. Ätterdruk Leer 1974.
- J.G. Hoche, Reise durch Osnabrück und Niedermünster in das Saterland, Ostfriesland und Gröningen. Bremen 1800.
- J.F. Minssen, Mittheilungen aus dem Saterlande. Im Jahre 1846 gesammelt. 3. Beend: Ljouwert 1970 (Fryske Akademy Nrs. 270/ 372).
- Nieberding 1840 = C.H. Nieberding, Geschichte des ehemaligen Niederstifts Münster, Vechta 1840-1852.
- Th. Siebs, Das Saterland, Ein Beitrag zur deutschen Volkskunde. Zeitschr. d. Vereins f. Volkskunde 1893, S. 239-278 und 373-410.
- Für Bild 2 jetzt:Helmut Ottenjann, Der Frauenkopfschmuck "Ohreisen" im Saterland, Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 1999, S. 57-67.


Bild 2, Detail aus: Saterländer mit ihrem Fuhrwerke auf dem Moor,
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, 1810/1820